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Die Regionalkonferenz

Die seit der "politischen Wende" unternommenen Bemühungen, auf parteipolitischen Wege die negative wirtschaftliche und demographische Entwicklung aufzuhalten, waren fehlgeschlagen. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass die 1990 eingetretene Lage in Deutschland und insbesondere in Ostdeutschland von den politischen Eliten, infolge fehlendem Vorstellungsvermögens zur zukünftigen Entwicklung, verkannt wurde. Aus diesen Gründen wurde im Jahre 2004 der LERDA e.V. gegründet. ( Siehe auch unter VEREIN: Gründungsgeschichte) Der LERDA e.V. verfolgt im wesentlichen folgende Ziele :

1.Mobilisierung der eigenen vorhandenen regionalen Potentiale

2.Kooperative Zusammenarbeit mit den Kommunen

3. Projektbezogene Zusammenarbeit mit Wissenschaftlichen Einrichtungen deutschlandweit

4.Erstellung eines innovativen Entwicklungskonzeptes

Dazu wurde bis 2007 das Programm der REGIONALKONFERENZ erstellt, auf dessen Grundlage erstmalig in der Tagebauregion um Weißwasser die betreffenden 10 Städte und Gemeinden zusammengeführt wurden. Im Vorfeld der Regionalkonferenzen erstellte LERDA e.V. einen Themenkatalog über richtungsweisende Maßnahmen. Dieser wurde mit jedem Bürgermeister in Einzelgesprächen abgestimmt und es verblieben nur die Maßnahmen, die von allen zugestimmt wurden. Dieser nun endabgestimmte Themenkatalog war Grundlage für alle folgenden Regionalkonferenzen.

1.Regionalkonferenz - 20.Februar 2008 - "Pavillon der Vereine" Sorauer Platz in Weißwasser

 

2.Regionalkonferenz - 21.Mai 2008 - im Stadtpavillon - Sorauer Platz in Weißwasser

Text folgt

3.Regionalkonferenz - 24.Juni 2009 - Neues Schloss Bad Muskau

In Auswertung der Regionalkonferenzen, die am 20. Februar und 21. Mai 2008 in Weißwasser stattfanden, wurde von LERDA e.V. ein Themenkatalog zu den Erfordernissen in Hinblick auf notwendige energetische, verkehrstechnische, ökologische, kulturelle und sozialer Ausgleichsmaßnahmen erstellt. Ein wesentlicher Punkt über den es in den Konferenzen Übereinstimmung gab, war die Erstellung einer umfassenden regionalen ökologischen Untersuchung zu den nachhaltigen Auswirkungen des Braunkohlentagebaus auf die Region.

Am 24.Juni 2009 zwischen 9.00- 12.00 Uhr fand die 3. Regionalkonferenz im Neues Schloss, Bad Muskau statt.

Protokoll der 3 Regionalkonferenz

Zunächst begrüßte der Vorsitzende des LERDA e. V. die anwesenden Bürgermeister sowie deren Vertreter, die Referenten, Gäste, Vertreter der Medien und Mitglieder des Vereins und verwies anfänglich auf die Aufgabenstellung, die der Verein verfolgt und auf das Ziel der Beratung zu o.g. Thematik. Danach übergab er an

Herr Dipl.-Ing. Fred Jasinski von der Hochschule "Lausitz" zum Thema

I.Entwicklung des Lebens- und Siedlungsraumes um Weißwasser

„ Neue Landschaften als Resultat der Auseinandersetzung mit der zukünftigen Stadtentwicklung in Weißwasser der Bergbaufolgelandschaften am Tagebau Nochten und der Siedlungsinsel des Muskauer Faltenbogens“ Ausgehend von dem Thema formulierte Herr Jasinski nachfolgende Aufgaben:

- Stadtumbau zur Reduzierung der Schrumpfungsfolgen,

- Aufwertungsmaßnahmen besonders in den innerstädtischen Wohnbereichen verstärken, - Standortfaktoren unter ökologischer Aspekten neu bewerten.

Dabei schlug er weitergehende Aufgaben, wie die biographische Bindung der Bewohner, das Stadtraummilieu stärken und die Mittelzentrumsfunktion mit seiner Umlandfunktion zu stärken, vor. So sollte sich Weißwasser von heute mit seinem Sportareal und Freizeiträumen Halbendorfer See, Bärwalder See und Findlingspark bis 2025 zu einem Fern- und Kurtourismusstandort, zu einer „grünen Stadt“ entwickelt um bis 2050 dem Landschaft- Klimawandel entgegentreten zu können.

Danach folgte ein Vortrag von Frau Dipl.-Hydr.Karin Kuhn zum Thema:

II.Klimawandel und Wasserhaushalt in der Lausitz

Frau Karin Kuhn vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie referierte im Anschluss über „ Klimawandel und Wasserhaushalt in der Lausitz“. Dabei handelt es sich bei dieser Problematik um den Schwerpunkt ihrer Fachabteilung. In der Beobachtung des Zeitraumes von 1951 bis 2007 konnte festgestellt werden, dass die Temperatur um 1° C in Winter zugenommen hat und sich daraus ableiten ließe, dass bis 2100 die Temperaturen weiter ansteigen werden, der Niederschlag zwar abnehmen jedoch die Hochwassergefahr zunehmen wird.

Bei der langfristigen Beobachtung des Grundwasserspiegels in der Lausitz und Südbrandenburg ist festzustellen, dass in den letzten 20 Jahren, auch ohne Bergbaubeeinflussung, dieser gesunken ist.

Prognosen für das Jahr 2050 gehen davon aus, dass mit einem Temperaturanstieg um 7%, der Grundwasserspiegel um ca. 4 % sinken wird und die Abflüsse der Gewässer um ca. 10 % abnehmen werden.

Was die Tagebaue Nochten und Reichwalde angeht, ist es Ziel der Fachabteilung gemeinsam mit dem Kohleunternehmen Vattenfall und EU Fördermitteln die Region zum „ Testeinzugsgebiet “ zu erklären und an dessen Finanzierung zu arbeiten.

Einzelheiten sind dazu unter www.umwelt.sachsen.de verfügbar.

4. Regionalkonferenz - 22.Juni 2011 - Naturschutz- und Kommunikationszentrum "Schwerer Berg" Weißwasser

Naturschutz- und Kommunikationszentrum „ Schwerer Berg“ Weißwasser
Beginn : 09:00 Uhr Ende 12:00 Uhr

 

Protokoll 

Begrüßung

Der Vorsitzende des LERDA e. V. Weißwasser, Herr Jörg-Manfred Schönsee, begrüßte die anwesenden Teilnehmer der 4. Regionalkonferenz und verwies auf die auf die bereits 3 Konferenzen, die Initiative des Vereins und die Inhalte und Tagesthemen der 4. Regionalkonferenz. Er dankte dem Oberbürgermeister der Stadt Weißwasser, Herrn Thorsten Pötzsch für die Übernahme der Schirmherrschaft für die Veranstaltung, dem Energieunternehmen Vattenfall, dem Sicherheitsdienst Pelk, K.B.M. sowie der Kanzlei Münzer und Kollegen in Dresden für die aktive Unterstützung.

 

Vortrag

Neue Untersuchungen zum Wasserhaushalt in der Lausitz Frau Dipl.-Hydr. Karin Kuhn, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Zunächst stand der Vortrag von Frau Kuhn vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zur Thematik Wasserhaushalt in Sachsen und in der Lausitz. Die Anwesenden erfuhren eine Vielzahl von Tätigkeitsfeldern der Institution, über Fakten der Grundwasserlage und Aussagen zu der Entwicklung der Tagesdurchschnittstemperaturen und u. A. dass bis 2050 kaum eine Veränderung der Grundwassersituation zu erwarten sei, jedoch im Zeitraum 2050 – 2100 die Temperaturen um 4 Grad steigen und der Grundwasserspiegel absinken werde.

In diesem Zusammenhang verwies sie auf den Internetauftritt des Landesamtes unter www.smul.sachsen.de und die darin vertretenen Projekte, wie dem Klimakompendium vom 06.06.2011. Aktuell laufen Untersuchungen der TU Dresden im Auftrag von Vattenfall.

Herr Schönsee dankte Frau Kuhn für ihre Ausführungen und sicherte den Anwesenden eine weitere enge Zusammenarbeit mit dem Landesamt zu.

 

Vortrag

Vorbereitungsstand zur Antragstellung einer „Regionalen BUGA“ Herr Dipl.-Ing. Jörg-Manfred Schönsee, LERDA e.V. und Herrn Jochen Sandner, Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH ( DBG )

Zur Thematik der Vorbereitung einer Antragstellung zur Ausrichtung einer Bundesgartenschau in der Region verwies Herr Schönsee auf die Arbeitsrichtung des Vereins und stellte die vier Schwerpunkte vor, die durch die Stadtverordneten der Stadt Weißwasser bestätigt wurden.

  • Lerda e.V. erarbeitet einen Muster – Beschluss – Vorlage zur Willensbekundung aller an der regionalen BUGA beteiligten Gemeinden und begleitet diese bis zur Beschlussfassung.
  • Lerda e.V. erarbeitet ein Leitmotiv zum Inhalt der regionalen BUGA
  • Lerda e.V. entwickelt einen Vorschlag zur zukünftigen Arbeitsstrukturbei der Vorbereitung der regionalen BUGA
  • Lerda e.V. erarbeitet einen Zeitablaufplan für die Antragstellung der regionalen BUGA

Der Geschäftsführer der Bundesgartenschau GmbH, Herr Sandner schloss an diese Aussagen an und erläuterte den Anwesenden die Inhalte seines Unternehmens und Erfahrungen aus der Geschichte der BUGA seit 1954. Als Schwerpunkte stellte er die erforderliche Akzeptanz der Region, des Landkreises und der Landesregierung für ein solches Vorhaben in den Vordergrund.. Er zählte eine Vielzahl von Synergieeffekten im Umfeld einer BUGA vor und verwies vornehmlich auf die wirtschaftliche, die touristische und mentale Belebung der Region und betonte, dass die Nachhaltigkeit eines solchen Vorhabens Priorität besitzt.
Da der Freistaat Sachsen bisher für die Ausrichtung einer BUGA ein „ weißer Fleck“ war und mit der Tagebaurekultivierung und den beachtlichen Vorzeigeobjekten sei die Region durchaus interessant und spannend. 
Abschließend stellte Herr Sandner in Aussicht erneut nach Weißwasser zu kommen und Unterstützung bei den vorbereitenden Schritten zu geben.
Herr Schönsee bedankte sich bei Herrn Sandner für seine Ausführungen und sein Angebot und gab zu bedenken, dass es für zukünftig Entscheidungen in der Region einem „ BUGA – Check „ geben muss und ebenfalls in ein Stadtentwicklungsmodell einfließen müsse. 

www.bundesgartenschau.de

Bei einer anschließende gemeinsame Befahrung der betreffenden Region konnte sich Herrn Sandner einen ersten Eindruck über das Territorium der geplanten BUGA machen.

  

Beitrag

Diskussionsbeitrag zu Fragen der BUGA -Vorbereitung Herrn Prof. Dr. Holger Schmidt Technische Universität Kaiserslautern Fachgebiet Stadtumbau und Ortserneuerung

Professor Schmidt von der TU Kaiserslautern, vom Lehrstuhl für Stadtumbau, griff die Idee der Vorbereitung zur Ausrichtung einer BUGA auf und erklärte aus seinen Erfahrungen, die er bei der Vorbereitung der EXPO 2000 und aus der Zusammenarbeit mit Professor Kuhn bei der Ausrichtung der Internationalen Bau- Ausstellung in Brandenburg sammeln konnte, folgende Schwerpunkte beachtet werden sollten. Zum einen muss die regionale Identität gewahrt werden, weil Zukunft gestaltet wird. Unabdingbar ist ein wissenschaftlicher Beirat und eine Vorbereitungsgesellschaft um dann eine Machbarkeitsstudie erarbeitet zu lassen.
Wichtig ist vor allem der gemeinsame Wille der Region und eine regionale Zusammenarbeit zur Vorbereitung eines solchen Vorhabens.
Zur Unterstützung dieser Schritte bot er seine Hilfe und die von Prof. Kuhn an.

 

Beitrag 

Torsten Pötzsch, Oberbürgermeister der Stadt Weißwasser

Der Oberbürgermeister der Stadt Weißwasser, Herr Thorsten Pötzsch nutzte die Gelegenheit die Anwesenden persönlich zu begrüßen und für die rege Teilnahme zu danken. Er führte aus, dass er in der 26. Kalenderwoche mit dem LERDA e. V. die vom Stadtrat beauftrage Vereinbarung mit den bereits genannten vier Punkten unterzeichnen werde, dass er für Transparenz in allen Phasen der Vorbereitung stehe. Es geht darum eine seit Jahren gehegte Idee zu verfolgen und er werde es besonders unterstützen und „kluge Köpfe nach Weißwasser“ zu holen.

Herr Schönsee dankte beiden Herren Schmidt und Pötzsch für ihren Beitrag zum Thema BUGA und die Bereitschaft das Vorhaben zu unterstützen.

 

Es folgte eine Pause von 20 Minuten.

 

Vortrag

Marine „Mikroalgen-Produktion“ als Alternativrohstoff für die Petrolchemie-Industrie, Herr Prof. Dr. Laurenz Thomsen, Jacobs University Bremen

Professor Thomsen von der Jacobs University Bremen lobte eingangs die Hartnäckigkeit vom Vorsitzenden des LERD e.V., Herrn Schönsee, ihn zu einem Vortrag über die Nutzung von Blaualgen zur Schaffung von Biomasse zu bewegen.

Er führte aus, dass es äußersten Wichtigkeit ist die vorhandenen natürlichen Ressourcen zu schützen, da für den künftigen Energiebedarf Flächen für den Anbau von Biomasse nicht mehr zur Verfügung stehen. Als Alternative stellte er die Erzeugung von Biomasse aus Blaualgen vor und verwies auf das Geschäftsmodell für die Oberlausitz. 

Darin heißt es, dass gegebenenfalls bei der Produktion von Blaualgen hochwertige Öle aus abgetrenntem CO2 hergestellt werden und dafür Investoren gefunden werden könnte. Dafür könnte eine 1 ha große Produktionsanlage dienen. Folgende Schritte sind dafür vorstellbar: 

Aufbau von 1000 m² Produktionsstätte zur Anpassung und Optimierung inkl. Training von Personal vor Ort, Garantierte Abnahme der Algenbiomasse ( 1,5 bis 4 €/kg) und gemeinsame Suche nach Abnehmern für höherwertiger Produkte ( 10 bis 50 €/kg ), Erweiterung auf 1 ha mit 60 bis 80 T Produktion / Jahr, Bau weiterer 1 ha Produktionsstätten: bei Bedarf garantierte Abnahme der Biomasse.

So sind z. Z. bei der RWE 1000 m² installiert um für VW und die RWE Biomasse herzustellen. Weltweit nutzen die US Army oder Boeing Algenkerosin für immer mehr Flugzeuge.

Er regte an, über einen Standtort am Kraftwerk Boxberg nachzudenken.

Herr Schönsee dankte Prof. Thomsen für seine Ausführungen und versicherte ihm, dass er im Interesse der Region und zu Schaffung von Arbeitsplätzen an diesem Anliegen weiter arbeiten werde.

Präsentation zur Mikroalgen-Produktion

 

Vortrag

Das „ Stadtentwicklungsmodell für Weißwasser“ als Bestandteil der Regionalentwicklung,Herr Prof.Dr.-Ing. Ralf-Rüdiger Sommer und Frau Klemmt von der Hochschule Lausitz

Entsprechend der Themenvorgabe zu der 4. Regionalkonferenz gehörten die Ausführungen zum aktuellen Stand des Stadtentwicklungsmodells Weißwasser von Professor Sommer der Hochschule Lausitz Cottbus. Einführend unterstützte er die Ansicht Netzwerke zu bilden um eine qualifizierte Vorbereitung einer Beantragung einer BUGA zu schaffen und zukünftig bei der weiteren Arbeit am Stadtentwicklungsmodell für Weißwasser diese Gedanken einzubeziehen. Auch was den Standtort für eine mögliche Algenproduktion anbelangt sind diese Dinge in die Netzwerke einzubeziehen. Für die Vorbereitung empfahl er im September ein Treffen mit Prof. Kuhn und Prof. Schmidt zu Entwicklung eines Leitfaden und später für einen Leitbild Er erteilte Frau Klemmt, eine Architekturstudentin, die an der Erarbeitung des Stadtentwicklungsmodells beteiligt ist, das Wort für ihre Ausführungen.

Frau Klemmt unterrichtete die Anwesenden in einem vorbereiteten Vortrag über erste Ideen und Vorstellungen, wie die Stadt Weißwasser liebenswerter werden könnte. Zunächst legte sie besonders wert darauf, dass für die Stadt ein Leitbild gemeinsam mit der breiten Einbeziehung der Bürger erarbeitet wird. Dabei sollte sowohl ein politisches, bürgerschaftliches Leitbild und daraus ein planerische Leitbild entwickelt werden. Zur Realisierung der breiten Einbeziehung der Bürger schlug sie die Schaffung eines sogenannten mobilen Info- Container vor, der in den einzelnen Wohngebieten den Bürger als Anlaufpunkt dienen sollte. Als Ziel für das vom Vattenfall finanzierte Projekt wäre 2013.

 

Abschluss

Herr Schönsee dankte Frau Klemmt für ihre Ausführungen, bestätigte den Vorschlag von Prof. Sommer für eine Projektwoche und unterstütze die Hinweise von Herrn Uhlig, dass die Erstellung des Leitbildes vor 2013 erforderlich sei. Er bedankte sich bei den Anwesenden für die hochwertigen Vorträge und wünschte allen einen guten Heimweg.

Die historische Entwicklung und jetzige Ausgangslage der Energieregion um Weißwasser

Kurzfassung - LERDA e.V. J.-M. Schönsee (Stand: 10/2017)


 

In der wechselnden Geschichte der Oberlausitz wurde diese dünn besiedelte Region vom 14. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts durch das erfolgreiche Bestehen der Muskauer Standesherrschaft bestimmt. Land- und Forstwirtschaft und Handwerk waren die Wirtschaftsgrundlage. Im Vergleich mit der Industrialisierung in Deutschland (Deutscher Zollverein, Norddeutscher Bund und Reichs-gründung 1871)begann verspätet mit Übernahme der Standesherrschaft der von Arnims im Jahre 1883 eine bescheidene Industriealisierung der Standesherrschaft. Sie basierte auf den heimischen Rohstoffen, Holz, Braunkohle, Ton und Glassand. Die entsprechenden Produktionsstandorte, Tongruben, Ziegelei, Papier-, Wellpappe- und Kartonagenfabrik, Braunkohlengruben und Sägewerke wurden mit einer Schmalspurbahn verbunden, die in Bad Muskau und in Weißwasser Verlade-einrichtungen zum DR-Netz besaß. Unabhängig von den Arminschen Wirtschaftsunternehmungen wurden beginnend 1872 von Unternehmern, wie Neubauer, Gelsdorf, Hirsch Janke und Schweig, am Standort Weißwasser Glashütten gebaut. Neben der Rohstoffgrundlage wurde die weitere Entwicklung dieses "Glasstandortes " durch den Anschluss an die leistungsstarke, zweigleisige DR-Linie, Berlin - Görlitz, begünstigt. So entwickelte sich Weißwasser von Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts zum europäischen Zentrum der Glasproduktion und war in den 30-iger Jahren weltweit der einzige Standort, an dem damals alle bestehenden Glastechnologien vertreten waren. Zu dieser Zeit zeichnete sich diese Region in Europa mit dem größten zusammenhängenden forstwirtschaftlich genutzten Waldgebiet aus. Ebenfalls in diesem Vorkriegszeitraum entwickelte sich in Krauschwitz die DTS-AG mit seinem Chemischen Apparatebau aus technischer Keramik zu einem europäischen Spitzenunternehmen. Einhergehend mit der Industrialisierung entwickelte sich die Bevölkerungszahl von 760 im Jahre 1876 auf ca, 15.000 im Jahre 1945. Obwohl die Stadt nach Kriegsende zu 40% zerstört war, wurde die Glasproduktion nach 5 Monaten wieder aufgenommen. Die kriegsbedingten Provisorien prägten sehr lange Zeit das bautechnische Bild der Glasindustrie in der DDR-Epoche. Im Rahmen der im RGW festgelegten wirtschaftlichen Ziele wurden neue Produktionsstätten, ein Lampenkolbenwerk in Weißwasser und ein Fernsehkolbenwerk in Tschernitz aufgebaut, zur Sicherung der Planerfüllung erfolgten Ersatzinvestitionen. Damit blieb Weißwasser in der DDR mit seinen über 5000 Beschäftigten der wichtigste Glasstandort, aber erreichte seine Vorkriegs-bedeutung nicht mehr. Die zwischenzeitlich gegründete Glasfachschule brachte nicht den erwarteten Innovationsschub für die Glasindustrie. 1957 wurde der damalige Bezirk Cottbus zum "Kohle- Energie- Bezirk" erklärt und Mitte der 60-iger Jahre beschloss die DDR-Regierung den Bau der Kraftwerke, Boxberg, Thierbach und Jänschwalde, mit Erschließung der dazu notwendigen Tagebaue. Für Weißwasser bedeutete das einen enormen von außen initiierten Entwicklungssprung und damit den Aufbau eines neuen Stadtviertels und einen Bevölkerungszuwachs von 17.000 (1970) auf 39.000 (1990). Der nach 1990 einsetzende ungebremste wirtschaftliche "Strukturwandel" führte zum massiven Bevölkerungsrückgang (2013 - 17.000), begleitet vom Rückbau von 50% der Plattenbauten. Zur Zeit produziert noch eine Glasfabrik mit ca 250 Beschäftigten. Die Energiepolitik der Bundesregierung stellt die Zukunft der Verstromung der Braunkohle infrage. In Folge dessen hat Vattenfall seine Kohlesparte in Deutschland verkauft. Die Auswirkungen spüren ansässige Unternehmen, die bisher Auftragnehmer von Vattenfall waren, durch drastischen Auftragsrückgang, und die Kommunen durch Gewerbesteuerrückforderungen von Vattenfall. Der weitere Bevölkerungs-rückgang ist vorprogrammiert. Dabei wird der Anteil der "Unproduktiven" immer höher. Die verbleibende Qualifikationsstruktur lässt einen Strukturwandel von Innen nicht erwarten. Die verantwortlichen Politiker auf allen Ebenen haben den Niedergang begleitend verwaltet, und es ist auch so für die Zukunft zu befürchten. Der heute viel zitierte notwendige Strukturwandel in der Lausitz kann nur, zumindest in der Region Weißwasser, durch nachhaltige Impulse von Außen erreicht werden.

Beitrag zur OB-Wahl 2017 in Weißwasser

"Wenn man will, geht alles" - wider dem Aussitzen

Unsere Region scheint im deutschlandweiten Ranking-Wettbewerb aller Landkreise und kreisfreien Städten seit der Jahrtausendwende um den Erhalt einer der letzten Plätze zu kämpfen. Diese Ranking-Studien vergleichen die Lebensqualität und Wirtschaftskraft aller Landkreise. Unsere Stadt zeichnet sich durch eine kontinuierliche Bevölkerungsabnahme und wirtschaftlichen Abschwung aus. Durch die einhergehende überproportionalen Abnahme der Leistungsträger in der Bevölkerungsstruktur wird dieser Trend verschärft. Für diese Entwicklung sind in erster Linie unsere gewählten Bundes-,Landes- und Kommunalpolitiker verantwortlich - also auch der OB unserer Stadt. Ausgehend von dieser Lageeinschätzung für unsere Region wurde seit 2008 in meinem Verein, LERDA e.V., ein Programm zur zukunftssichernden Entwicklung unserer Tagebauregion um Weißwasser erarbeitet. Dafür stellten wir einen Maßnahmeplan auf, der in persönlichen Einzelgesprächen mit jedem Bürgermeister unser 10 Gemeinden abgestimmt wurde. Auf dieser Basis wurden von 2008 -2011 vier LERDA-Regionalkonferenzen durchgeführt, an der alle Bürgermeister der 10 Gemeinden, Vertreter des Landrates und der Regionale Planungsverband NOL teilnahmen. Es ist festzustellen, dass 2008 erstmalig die Bürgermeister unserer Region an einem Tisch saßen. Eine der Maßnahmen war die Ausrichtung einer BUGA in unserem Raum. Dazu bekannten sich in der 4. LERDA-Regionalkonferenz 06/2011 alle 10 Bürgermeister. Auf der Basis der von LERDA geschaffenen Gesprächsplattform der Regionalkonferenz hatte ich Herrn Pötzsch schon in seinem OB-Wahlkampf 2010 geraten, diese Gespräche weiter zu pflegen. Die mit der Ausrichtung der Regionalkonferenzen und später der Vorbereitung der BUGA verbundenen Kosten wurden z.T. über ABM u. nicht unwesentlich persönlich getragen -der WSW-Haushalt wurde nicht belastet. Der unbefriedigende Ergebnisstand der "Arbeitsgruppe-Vattenfall"(AG-VEM) veranlasste mich als Stadtrat/FDP im Jan/2010 eine Beschlussvorlage einzureichen. Damit wurde Der OB, Herr Rauh, als Leiter der AG-VEM abberufen und die Leitung mir übertragen. In der Folge wurde zielstrebig mit der Auserarbeitung der "Vereinbarung der Zusammenarbeit zw. VEM und WSW" begonnen, so dass 03/2010 der 1. Entwurf vorlag. Es wurde mit VEM vereinbart, den bereits 2010 fertigen "Vertrag" erst vom neu gewählten OB 1011 zu unterzeichnen. Aber die 1. Jahreszuwendung von VEM an WSW erfolgte bereits 2010. Die Maßnahmen zur Untersetzung des "Vertrages" wurden von mir 01/2010 erarbeitet u. vom Stadtrat bestätigt. Dazu gehörte auch u.a. die finanzielle Unterstützung zur Vorbereitung der BUGA/IGA durch VEM, so dass 2013 die Finanzierung der erforderlichen Machbarkeitsstudie abgesichert war. Die Aufgabenstellung zur Ausschreibung der Machbarkeitsstudie wurde durch mich kostenfrei erarbeitet (Wert: 4 - 5 TEUR) Den Zuschlag zur Erarbeitung der Machbarkeitsstudie erhielt das Team "Seebauer" (SWUP), die ihre notwendigen Bedingungen zur Bearbeitungsdurchführung 03/2013 vortrugen und ihre Erfüllung vom OB zugesagt wurden. Die Zusagen wurden vom OB nicht erfüllt und seine Kommunikation gegenüber LERDA wurde weitestgehend eingestellt, die Bearbeitung geriet ins Stocken. SWUP drohte die Gefahr ihren Auftrag nicht erfüllen zu können - das betraf auch die Rats- und Gemeinderats-Beschlüsse! Als Erklärung für das lange Schweigen des OB, erhielt ich per E-Mail 09/2013 seine Begründung, dass "es einige Kritiker und Sucher nach Stolpersteinen in den Reihen des Stadtrates zum Verein und unserer bisherigen Arbeit gibt"- an mich waren diese vermeintlichen Stadträte auch anlässlich meiner Berichterstattungen in den Ratssitzungen nicht herangetreten. Angesichts der Tatsache, dass es nicht nur um eine BUGA/IGA sondern um ein regionales Entwicklungsprogramm ging und eine sonst nicht zu erreichende gesamtnationale Wahrnehmung und eine mit keiner anderen Maßnahme zu erreichenden Bundesförderung war und bin ich bis heute zu dieser Verhaltensweise fassungslos. Heute, nach 4 Jahren möchte Herr Pötzsch im Rahmen des "Strukturwandels" eine Gartenschau haben(SZ v. 19.09.2017) Die Tür wurde ohne Legitimation zugeschlagen - die Machbarkeitsstudie wurde für sehr viel Geld ohne Legitimation in ein Tourismuskonzept umgewandelt, das in der Schublade landete. Der nicht ausgesprochene Grund war, dass eine Finanzierung bis 2027 das Vorstellungsvermögen Beteiligter überstieg. Der Vorsitzende des BUGA-Kuratoriums, Herr Prof. Kuhn, konnte sich nicht mit dem Abbruch der IGA identifizieren: "Die Stärke einer schwach besiedelten Region liegt in der Gemeinsamkeit der Akteure - Wenn man will, geht alles"

Weißwasser, 19.09.2017 Dipl.-Ing. Jörg-Manfred Schönsee Vors. LERDA e.V.